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Aiuto!
Und zwar schnell!
„Was
hörst du denn da für abartige Grabesgesänge?“, fragte
er und bekam dafür von mir einen Streifschuß von einem Blick.
„Il canto di malavita, Nichtswürdiger“, schnaubte ich
recht gelungen mit den Nüstern und stützte Anna-Magnani-artig
die Hand in die Hüfte, „die Lieder der Mafia. Es geht um Blut,
Ehre und Verschwiegenheit. Werte, die euch emotionalen Versicherungsvertretern
nichts mehr sagen.“ „Schön sprechen.“ „Weil’s
wahr ist. Und wenn du ganz artig bist, darfst du ‚Pappadelle all’arrabiata‘
essen, original. Die letzte Mahlzeit von Alberto Anastasia, ehe ihn abtrünnige
Mordgesellen in einem Friseursalon bei der Nassrasur für immer zum
Schweigen brachten.“ „Was für ein unwürdiger Tod
für so einen verdienten Mann.“
Man konnte ihm viel nachsagen, aber
als Gott den Humor verteilte, musste der Nichtswürdige eher vorn
gesessen sein. „Und, carissima?“, fragte er, als es
heiß herging (die 'Parpadelle' waren porca-miseria-scharf), „was
unterscheidet denn einen Versicherungsvertreter von so einem richtigen
Blut-Ehre-und-Verschwiegenheits-Mann?“ „Alles und vieles“,
sagte ich nach einem Schluck ehrlichen Rotweins, „letztere würden
niemals sorbetfarbene Polos tragen, zehn Herzschläge lang in glühende
Kohlen greifen, aber auch Tränen vergießen, wenn es ihren Lieben
nicht gut geht. Nach dem Sex fragen sie niemals „War’s schön
für dich?”, weil das ohnehin absehbar ist. Sie haben Visitenkarten,
wo ausschließlich ihre Namen und nicht irgendwelche lachhaften Berufsbezeichnungen
draufstehen. Und wenn eine Liebe erkaltet ist, verdrücken sie sich
nicht gleich eines armenischen Gebrauchtwagenhändlers vom Szenario,
sondern nehmen rechtzeitig Abschied. Mit Würde, Pathos und einer
Trostspende in Karatform.“ „Das sag ich aber jetzt den armenischen
Gebrauchtwagenhändlern meines Vertrauens“, sagte er und fragte
dann: „Hast du eigentlich glühende Kohlen im Haus?“ Aiuto!
Jetzt hatte er mir mitten ins Herz getroffen.
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