Ein Löwe im Puff - 10.04.2010
„Mein Vater ist gestorben,” sagte P in einem der Tragik des Geschehens unangemessen fröhlichen Tonfall. „Bist du gar nicht traurig?” – „Er hatte einen schönen Tod. Er ist im Puff gestorben.” – „Oh, der Klassiker. Kaum wurde gekommen, ist er gegangen. Aus den Armen des kleinen direkt in die des großen Tods.” - „Tut leid,” entschuldigte sie sich jetzt kichernd, „es war nicht ganz so romantisch. Er starb vor Schreck.” – „Wieso das? Hatte sich die Dame nach dem Entblättern als Herr entpuppt?” Solche Stories hörte man ja immer wieder – vor allem aus dem fernöstlichen Raum. „Nein,” konnte sie sich jetzt nicht mehr vor Lachen einkriegen, „die Puffmutter hat einen Löwen als Haustier, den ihr einmal ein zahlungsunfähiger Zirkusdirektor hinterlassen hatte. Der Löwe stand plötzlich in der Liebeskammer und das war für das Herz meines 83jährigen Papa dann doch zuviel.” – „Kein Löwenherz also,” kicherte auch ich jetzt, während mir P heulend in die Arme plumpste: „Er wird mir so fehlen, aber ich bin so glücklich für ihn. Was für ein arschcooler Abgang! Papa wäre stolz auf sich gewesen. Wir hätten ihn in den nächsten Jahren sowieso verloren.” – Jetzt musste ich auch weinen, obwohl ich Puff-Papa gar nicht gekannt habe. „Wieso verloren?” „Beginnender Alzheimer – er wäre im Land des Vergessens verschwunden.” Allerhöchste Zeit für Alkohol. „Und wie geht’s deiner Mutter?” „OK. Sie hat den Löwen sogar besucht – mit einer Rinderhälfte. Weil sie ihm dankbar war, dass er Papa indirekt geholfen hat, seinem dräuenden Elend zu entkommen.” – „Auch arschcool, die Mama.” P nickte trinkend: „Kannst du laut sagen.” – „Wie hieß er eigentlich der Löwe?” – „Viagro – nach dem Lieblingsmedikament seines früheren Herrls.” Prust! Und allerhöchste Zeit für einen Trinkspruch: „Auf Puff-Papa und Viagro, der uns wieder einmal gezeigt hat, dass Tragik und Komik oft nur eine Nano-Sekunde auseinander liegen.”
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