Bei Doc McGrumpy - 17.04.2010
„Haben Sie Stress,” fragt mich Dr. Mc Grumpy schwer atmend, während er mit einem Stetoskop Ursachenforschung für meine Brustschmerzen betreibt. „Gar nicht. Ich bin journalistisch für den 100jährigen Bauernkalender tätig – also relativ lange Vorlaufzeiten. Mein Konto hat auch kaum Ähnlichkeit mit dem schwarzen Loch. Und meine Tochter befindet sich gerade in einer Phase, die quasi einen Garant für emotionale Stabilität und Konsensfähigkeit präsentiert. Ich glaube, sie heißt Pubertät. Wenn ich in meinem ereignislosen Leben ein paar Adrenalinstösschen brauche, schneide ich Teerosen in meinem parkähnlichen Garten.” Jetzt sieht mich Mc Grumpy mit einem Blick an, der Trostlosigkeit auf Robert-Mitchum-Niveau verströmt: „Wenn Sie so weiter machen, schlittern Sie demnächst in ein Burn-Out.”- „Klingt sehr verlockend, aber dafür habe ich leider keine Zeit.” – „Ihnen werden die Späßchen schon noch vergehen,” grunzt McGrumpy. „Das wäre blöd, denn ich werde ganz hübsch dafür bezahlt.” Ich zwitschere aus dieser medizinischen Zelle schlecht gelüfteter Hoffnungslosigkeit zurück ins Leben. Besser gesagt auf den Rochus-Markt. Dort trifft man ebenfalls vom Leben gegen den Strich gebürstete Gleichgeschlechtliche an einer Tränke. „Du, der volle Wahnsinn,” flötet die eine, „ich hab’ eine derartige Lactose-Unverträglichkeit.So einen Blähbauch!” Sie reckt, riesige Rundungen andeutend, die Arme. „Ich kann mit Gicht dienen – das ist wenigstens eine elegante Maladie. Wird gern vom britischen Landadel genommen,” hüstelt die andere. Jetzt fische ich meinen kleinen Lieblings-Spielzeugrevolver aus der Tasche und brülle: „AUS! Themenverbot für Darmprobleme, Krampfadern und andere körperlichen Unzulänglichkeiten. Gilt auch für das Wetter, Kontostände und Männer, die nicht glücklich machen.” Beide heben jetzt schweigend die Arme in die Luft. So geht’s auch.
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