Sowas von nicht chillikofsky - 29.05.2010
K, der Herzensfreund, muss verarztet werden. Es gibt Gründe, warum ich einen weiten Bogen um die Branche der Patienten-Nahversorgung geschlagen habe, aber ich entringe mir dennoch den besten grundgütigen Lazarett-Schwesternblick, den ich im Lager habe. Igitt, Kratzwunden, die von großen Dramen zeugen. Tupfer, Schere, Mull – Handhabungen, die theatralische männliche Schmerzunterdrückung zur Folge haben, wie wir sie aus frühen Clint-Eastwood-Streifen kennen. „Ich glaube, die Zeit ist reif für ein Mädchen vom Land, das Paolo Coehlo inhaliert hat,” tadle ich ihn jetzt liebevoll, „ dem der Weltfrieden ein Anliegen ist und das noch angesichts von geschenkten Plüschtieren in der Lage ist, Enthusiasmus zu mobilisieren.” „Ach,” seufzt er und sackt auf mein Sofa, „das wäre sowas von chillikofsky!“ (Anm.: Damit beschreibt der Mann, nicht uninfantil, den Grad größtmöglicher Entspannung.) „Aber nein,” vollende ich jetzt laut seinen Gedanken, „es müssen immer diese Nervenzusammenbrüche mit einer Kleidergröße 34 sein...” Er nickte müde: „Irgendwie brauche ich das Drama. Aber Cècile ist ein besonders harter Brocken.” Logisch, dass eine solche Hysterikerin nicht Liesl oder Kathi, allesamt Vornamen, die bodenständige Ausgeglichenheit signalisieren, heißen kann. Cècile klingt nach einer Bedrohung in Pastellfarben. „Was hat sie denn so dermaßen aufgebracht, dass sie sich die Nägel an deinem Gesicht ruiniert hat?“ will ich jetzt wissen. „Die Notlandung einer Stewardess in meinem Bett,” antwortete er, „sie ist nicht nur hysterisch, sondern auch kleinlich.” Und lässt dann auch noch dreist einen Hugh-Hefner-Spruch los: „Ich habe nämlich soviel Romantik in mir, dass eine einzige Frau damit überfordert wäre.“ Wo ist jetzt gleich noch einmal die beissende Jodtinktur? Die Initialzündung für den Crash hieß übrigens Liesl. Aber wenn man das schreibt, glaubt einem das sowieso keiner.
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