Cowboy mit Mutterkomplex - 22.05.2010
Besuchen Sie eine Gesprächstherapie, in der Sie immer wieder den Satz „Ich muss meine verfluchten Muster brechen” sagen? Und Weinverkostungen, bei denen Sie die Kostproben nicht ratzfatz aussaufen, sondern ganz kultiviert in einen dafür vorgesehenen Napf spucken? Starren Sie in der Position des abschauenden Hundes während Ihrer voll meditationszentrierten Yogastunde auf Ihren Blackberry? Damit der mail-manische Herr, der Ihnen ein regelmäßiges Einkommen zukommen lässt, stets den Eindruck behält, dass Sie sowas von am Ball sind. Herzliches Beileid! Sie sind so wie ich erwachsen geworden. Und dementsprechend langweilig. „Mein Leben macht mich so müde,“sagte K, „ich will ein Mann sein.“ – „Wie bitte?“ – „Die genieren sich wenigstens nicht, ihre Midlife-Crisis mit vollem Karacho auszuleben. Kaufen sich rote Autos ohne Dach, brennen mit Soziologiestudentinnen durch, lernen Stromgitarre spielen, trinken ohne Rücksicht auf ihren Teint und pfeifen auf diese ganze Selbstfindungs-Gacke, durch die wir uns täglich quälen...” Ich zitiere Harald Schmidt, um jetzt auf die Schattenseiten des späten Mannseins drastisch hinzuweisen: „Bei jeder Erektion denke ich an Ikea-Regale – hoffentlich hält’s fünf Minuten.“ Sie schüttelte den Kopf: „Kein Trost. Denn trotzdem kriegen die alten Säcke die Frühlingshühnchen ab.”- „Na, weil die alle einen Vaterkomplex haben. Das ist doch zum Fremdschämen.” – „Mir egal, ich brauch jetzt dringend einen Cowboy mit einem Mutterkomplex.”- „Ein Komplex als Basis für eine Beziehung!? Geht’s noch?“ – „Nein, eben nicht mehr. Fact ist, dass unsere Altersgruppe sich die Neurosen der Kavaliere nicht mehr aussuchen kann.” Also: sollten Sie in Ihrem Bekanntenkreis einen Cowboy mit Mutterkomplex vorrätig haben: Er möge sich umgehend bei K melden. Kennwort „Muntermacher für Mrs. Robinson – Reifungsprüfung garantiert.“
zurück zur Übersicht>>