Ist das lustig?! - 03.07.2010
Die Ausdruckskünstlerin und ich hirnstürmen für ein neues Kabarettprogramm. Die Wehenphase lässt sich insofern besser an als bei den zwei Kleinkunstkindern davor, da sie mich nicht mehr bei jedem Vorschlag aus schreckensgeweiteten Augen ansieht und dazu die Frage absondert: „Ist das lustig?!?“ Ihren Nikotinentzug kompensiert die Ausdruckskünstlerin mit einem Backwahn. Ich muss jedes Mal mindestens ein Stück essen und blicke dabei auf einen mentalen Revolver, aus dessen Mündung der Satz „Sag’, dass es dir schmeckt” raucht. Wir durchpflügen die Pressemappen der Ausdruckskünstlerin, um kreativ entzündet zu werden. Ich stolpere über einen Artikel aus dem Jahr 1999 aus der „Alles”. In der Promiserie „Es gibt immer einen Weg” spricht sie über einen Tiefpunkt, der Titel lautet: „Er war verheiratet, ich wollte nicht mehr leben.” Jetzt erst begreife ich die Bedeutung des Verbs „Fremdschämen”. Ich lese wiehernd: „Es wäre so leicht gegangen, ich wohne im siebenten Stock!” Die Ausdruckskünstlerin wirft sich auf die Mappe: „Schluß mit lustig! Du bist gemein!” Ich sage: „Dreli – Ozeane habe ich geheult, Gegenwerte von Kleinwägen habe ich bei Wahrsagerinnen mit Zigeunerbaron-Bärtchen gelassen, auf dass sie mir den Satz schenken „Wahrscheinlich sicher wird er zurückkommen, er braucht nur Zeit.” Wenn es jemand gibt, der sich aus Liebeskummer freiwillig zum Vollidioten gemacht hat, dann sitzt dieser Jemand jetzt vor dir und isst deinen Kuchen.” – „Und?“ – „Nein, natürlich nicht. Die hatten dann nie die Zeit, um zurück zu kommen.” – „Das ist mir wurscht,” erklärte die Ausdruckskünstlerin, „ich will wissen, ob dir mein Marillenfleck schmeckt.” – „Wahrscheinlich sicher.“ Und dann kicherten wir. Und der leise Verdacht beschlich uns, dass die Baustellenarbeit bereits lustiger wird, als das Endprodukt. Wahrscheinlich sicher.
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