Misfortune-Cookies - 19.06.2010


Ich saß solo bei einem Chinesen in den Außenbezirken. Rund um mich drei abendfein aufgebrezelte Pärchen, sonst gähnende Leere. An einen Tisch servierte ein Kellner jetzt – mit verheißungsvoller Miene – ein Tellerchen mit „Fortune Cookies.“ Er: „Oh, wie nett! Die haben wir ja gar nicht bestellt.” Der Kellner deutet der Dame (Hairstyling frühe Farah Fawcett, ledriger Teint) mit strenger Miene eines der Glückskekse zu nehmen. Als sie auf das offensichtlich falsche greifen will, zeigt er nahezu herrisch auf das in rotes Seidenpapier gewickelte Exemplar. Erwartungsvoll, bricht sie es auf. „Nein,” quiekt sie jetzt ehrlich überrascht, „ein so schöner Ring! Gertschi, ein Traum, ein Märchen! Dass ich von dir noch einmal einen Antrag erleb’....Schluchz!” Sie springt auf und jagt dem sichtlich verdutzten Gertschi ihre Zunge in den Rachen. Jetzt wird auf Tisch 2 eine gewisse Unruhe bemerkbar. Der dortige Herr scheint nervös. Er springt auf, geht zu Gertschi und Farah: „Verzeihung, haben Sie auch einen Zweikaräter in einem Keks bestellt? Weil wenn nämlich net, dann ist das original meiner...” „Danke, supa,” sagt Gertschi jetzt, „vollsupa nämlich! Wie soll ich jetzt je wieder aus der Nummer auße kommen, ha?” Der Kellner wirft sich in den Staub, er checkt, dass er mit seiner Zustellungs-Verwechslung ein Desaster ausgelöst hat. Farah jetzt voll in der Krise, gellend: „Der war gar nicht für mich! Gertschi, wie kannst du mich nur hier vor allen Leuten so demütigen!” Sie verlässt schluchzend das Lokal, der Ringkavalier wird jetzt von seiner vielleicht doch nicht Zukünftigen angeschnauzt: „Helmut! Wie blöd muss man eigentlich sein, um selbst so was Simples wie einen depperten Heiratsantrag zu verhauen...” So kann’s gehen, wenn man Kontemplation an Glutamat in den Außenbezirken sucht. Dieser „Ring” hatte in jedem Fall mehr Pepp als der von Wagner.

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