Posthume Paartherapie - 12.06.2010


Sie liebte Marokko – warst du dort schon?“ oder „Interessantes Parfüm. So ähnlich hat das von meiner Ex gerochen.” Ich führte eine interne Stricherlliste. In den 1,5 Stunden, die ich an diesen an sich recht hinreißenden Mann bereits verschenkt hatte, hatte er gezählte 17 Mal die Worte „meine Ex, die Verflossene oder meine frühere Lebensabschnittspartnerin“ benutzt. „Hol’ mich hier raus,” morste ich an D, „der Typ textet mich ständig mit seiner Ex zu. Ich habe keinen Cent mehr auf meinem Nervenkonto.” Einen hysterischen Telefon-zusammenbruch später, in dem D eine Schrei nach unaufschiebbarer Hilfeleistung los ließ, war ich wieder in Freiheit. „Eine Attacke auf die Lebenszeit,” seufzte ich, als ich mich bei D ins Sofa plumpsen ließ, „ich wurde als posthume Paartherapeutin missbraucht. Und dazu dieses weidwunde Gesicht....Hilfe!” „Was ich immer sage: Frisch verlassene Männer sollte man meiden wie Kohlehydrate nach 18 Uhr,” merkte sie lakonisch an, „denn der Job der Trümmerfrauen ist ein schmutziger.“ – „Schmutzig klingt eigentlich schon einmal gut...” Mein persönlicher Beziehungs-Dalai Lama sah mich jetzt sehr streng an: „Seelische Wiederaufbauarbeiten lassen wir anderen über. Denn merke: Die erste Runde nach dem Crash wird meistens eine Bruchlandung. Lass’ ihn erst einmal alles in Ruhe verarbeiten...“ „Liebes,” meldete ich jetzt doch Zweifel an ihrer geistigen Souveränität an, „du sprichst von einem männlichen Mitbürger! Bei denen wird Trauerarbeit mit der Fast-Forward-Taste abgespult...” „Ok, dann ruf’ ihn doch an und frag ihn, ob er in den nächsten Tagen doch noch Zeit hat, dir dein Herz zu brechen...“ „Jetzt weiß ich, was unser allergrößtestes Problem ist,” sagte ich, , „wir grübeln viel zu viel. Dieses ständige Theoriengewälze hält uns von der Praxis fern.” Sie reichte mir das Handy. Der Blick dazu war stahlhart. Mir doch egal!

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