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Eine Keule für die Würde

Wir haben eine Holzkeule in einem Fachbetrieb unseres Preis-segments maßfertigen lassen. Friedlich ruht sie im Eck unserer Redaktionsstube und harrt der Dinge die da kommen. Also ehrlich gesagt, N hatte auf die Anschaffung des nicht ganz billigen Stücks bestanden. Und zwar genau letzte Woche, als ich mit einem potenziellen Kandidaten für Zwischenmenschlichkeiten am Telefon zugange war. Als ich den Hörer sanft in die Gabel rutschen ließ, schickte sie mir einen Blick, der sich aus den Gefühlen Mitleid, Verachtung und Besorgnis nährte. „Is irgend was?“, fragte ich spitz. „Es geht mich ja nichts an, aber ...“, hob sie an. Diesen Satz kannte ich nur allzu gut: Wiens Taxifahrer benutzen ihn gerne als Ouverture, wenn sie ihren Fahrgast mißbrauchen, um sich ihrem Unmut gegenüber innenpolitischen Widrigkeiten Luft zumachen.
   Dann begann sie mich auf das Perfideste in einem Quietsch-maus-Timbre zu parodieren: „Ja, Schnucko, sowieso bin ich vor sieben zu Hause. Möchtest du Sushi oder soll ich dir ‚Schulterscherzel in Krensauce‘ machen? Du klingst ziemlich fertig, armes Bärchen ...“ Entsetzen meinerseits: „So rede ich?! Das ist ja grauenhaft...“ „Nicht zum Anhören“, konnte sie mir nur bei-pflichten, „wenn Labia minores sprechen könnten, dann würden sie so dahinsülzen...“ „Beim letzten war es noch ärger. Eigentlich wollte ich dich damals schon in einem Schilf-körbchen auf der Donau aussetzen...“ „Versprich mir eines“, flehte ich sie jetzt an, „wenn ich das nächste Mal in diesen 'Arme-Bärchen'-Tonfall gleite, schlag mich einfach, ohne lang zu fackeln.“
    Da sie sich nicht die Hände persönlich schmutzig machen wollte, erwarben wir also diese Holzkeule, die jetzt als malerisches Mahnmal für die Wahrung des gesunden Menschenver-standes allen hormonellen Verirrungen zum Trotz in der Ecke unserer Redaktionsstube der Dinge harrt.
      Frei nach dem Motto: „Nutzt’s nix, schadt’s nix“.