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Die Lizenz zum Fluchen

„Schau, Schatzi“, quälte ich mir Ermunterung ab, „das ist fast wie im Heidi-Film ...“ „Und, wo bitte, ist Charlie Sheen als Geißpeter“, fauchte die wütendste aller Töchter, „genau nirgends!“
   Wir waren in der Stunde sechs dieser Sache, die ich ihr als „so eine kleine Wanderung“ verklickert hatte. Selbst auf 1.600 Höhenmetern machte sich die Sonne gnadenlos wichtig und die Hütte lag nicht einmal in Sichtferne. Zu allem Überfluß hatte ich Gepäck hintendrauf, das mit ausreichend Proviant für die Kelley-Familie gefüllt war. Ich mußte ständig an den jüdischen Hymalaya-Bezwinger denken, der eine Postkarte mit den Worten: „Damit ich meinen Körper schon, nehm ich mir einen Scherpa ... Cohn“ veschickt hatte. Unsere Gruppe war längst über alle Berge. Mit Todesverachtung betrachtete die erschöpfteste aller Töchter die diensthabenden Kühe und flüsterte: „Wie konntest du mir das nur antun?!“ „Ich werde Buße tun“, röchelte ich, „50 Seiten 'Harry Potter' vorlesen, nie mehr vergessen, 'Sabrina' aufzunehmen, immer Lollis haben, flüssigen Schokokuchen mit Orangeneis einfach so machen, ...“ „Kriege ich auch die Lizenz zum Fluchen?“„Fluch von mir aus, bis mongolischen Bierkutschern die Schamesröte ins Gesicht steigt ...“ Jetzt schossen ihr die Lebensgeister ein.
    Und die unschuldigen Mukuhlis sahen eine kleine und eine ziemliche große Frau auf einem Felsen hängen, die lauthals „Narren-Natur, Bastard-Berge ...oops ... Huren-Hatscher“, brüllten. „Ich sehe“, krähte die perfideste aller Töchter, „wir sind endlich einmal einer Meinung.“ Dann mußte ich ihr schwören, niemals wieder über Stunden steil und unbezahlt in ein Holzhaus zu steigen, um dort Mitgebrachtes zu verzehren und in einem Massenlager zu schlafen. Nach diesem Etappen-sieg klopfte sie mir auf den Hintern und johlte: „Na weiter, altes Haus, wer wird denn hier schlapp machen?!“
   In diesem Moment liebte ich sie so sehr, dass mir die ohnehin mäßig vorhandene Luft weg blieb.