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Diese
phallische Zentriertheit
C
hat eine neuen Nebenerwerb aufgetan. Für einen Innen-stadt-Galeristen
organisiert sie „Meet-the-artist“-Dinners. Und das läuft
so ab: Gelangweilte Society-Furien legen so um einen Flocken ab, damit
sie neben einem z. B. vom Schicksal gezeichneten US-Künstler, der
in seiner Biographie vorzugsweise einen Irrenhaus-Aufenthalt oder wenigstens
eine kleine Drogenvergangenheit zu verzeichnen hat, schlecht exotisch
essen können.
Zwecks soziologischer Fortbildung hat sie mich unlängst
zu sowas mitgeschleppt. „Schau dir diese Weiber genau an“
,flüst-erte sie mir zu, „beneidenswert ... die kennen das Wort
'Stress'allerhöchstens aus dem Wörterbuch.“ „How
was the food in the mental institution?“, fragte gerade die Gattin
eines Immohais während sie hingebungsvoll in ein Crostino mit Geflügellebercreme
biß. Ansonsten schlug die Immoheigattin ihre Zeit mit Charities
für zuckerkranke Delphine oder so ähnlich tot. Ihr Etro-Schal
zittert dabei voll wohliger Schauer. Verständlich: Ein solch wildes
Tier ist in Sievering sicher rar. „Leider gut genug, um nicht daran
zu krepieren“, antwortet das Tier müde. „Und woher kommt
diese phallische Zentriertheit in den Objekten Ihrer Minnesota-Periode
?“, bringe ich mich auch ein wenig ins Gespräch. Die Etro-Schauernde
vibriert jetzt vor Neid. Ich sehe, dass C eben den Tag verflucht, an dem
sie mich kennen gelernt hat. „Polly“, nimmt sie mich zur Seite,
„ich habe dich nicht hierher geschleppt, damit du mir diese Cottage-Hyänen
vergraulst ... die brauchen nämlich dringend Sinn im Leben und den
laß ich mir teuer bezahlen.“ „Ich war übrigens
nie in Minnesota“, gesellt sich jetzt das Tier zu uns. „Oh,
how interesting“, hauche ich, „da haben wir ja schon was in
common ...“ Jetzt scheucht C das Tier wieder an die Tische. „Du
bist gemein“, raunze ich,
„ich brauch nämlich dringend Unsinn in meinem Leben ...“
„Und für den wirst du noch einmal teuer bezahlen.“ „Koste
es, was es wolle ...“ Ich bin ein Fan des letzten Worts.
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