LESEPROBE "POLLY KLINIK" Warm anziehen und wasserfeste Wimperntusche auflegen! Oh ja, auch 2010 hat das Zeug zum Kastrophengebiet. Es wird anstrengend – mit den Kerls, der Kohle, dem Fortpflanz und einem Nervenkonto, dessen Rahmen ständig überzogen wird. Und natürlich wird der Saturn uns wie immer noch zusätzlich prüfen, weil ihm nämlich sonst fad wird. Lösungsvorschläge werden Sie hier keine finden, da müssen Sie sich bitte an den Dalai Lama, Paolo Coelho oder sonst eine G‘scheithose wenden. Hier gibt’s nur das blanke Entertainement in Form von Kolumnen, Listen und Zitaten,denn in Zeiten wie diesen (und allen anderen natürlich auch) ist Humor noch immer das beste Schmerzmittel. Toi, toi, toi, Mazeltov und runter von der Spaßbremse! Hallo, unglamouröses Ich! „Bitte schön, mein Treuebonus!“ flüstere ich der Kassiererin und starre beschämt zu Boden, so als ob mich mein früheres, glamouröses Ich demnächst mit einer Federboa verdreschen könnte. Und tatsächlich: Ich bekomme alle Rindfleischprodukte wie versprochen um 25 Prozent billiger. Ein Gefühl des Triumphs durchwummert mein unglamouröses Ich. Vernuft, ökonomisch leben, erwachsen sein! Die Frage, wie ich all diese Rinderhälften in mein Tiefkühlfach quetschen werde, mit der möchte ich mir diesen warmen Moment jetzt wirklich nicht versauen. Was könnte ich mir noch Gutes tun? Im Supermarkt für den ganz kleinen Mann gäbe es so WC-Umpuschelungen im Angebot. Naja... Es gab Zeiten, da habe ich mich – ohne mit der Wimper zu zucken – auf Capri allein eine Woche in einen Fünfstern-Schuppen eingebucht. Weil ich dringend, ohne kreischendes Kind und greinenden Mann, ein wenig übers Leben nachdenken musste. Möglicherweise hat diese Nonchalance den Grundstein für mein akutes Finanzdesaster gelegt. Jetzt schnell nach Hause. Das Paket mit den Designerfummeln aus dem Internetversand soll demnächst eintrudeln. Tatsächlich – da sind meine neuen Freunde : der Fürstenberg-Wickler , das Miu Miu-Röckchen. Ich probiere sie an, tänzle kurz damit durch die Wohnung und packe sie ein, um sie gebührenfrei zurück zu schicken. Die unerfüllten Lieben sind doch immer die schönsten , sagte einer dieser schwulen Bonmot-Fabrikanten...Wilde, Capote, keine Ahnung. Viel fehlt nicht mehr und ich werde zu Weihnachten das Geschenkpapier zwecks Wiederverwertung glätten. Mein Chefredakteur hat der gesamten Redaktion ob inflationärer Verwendung die Phrase „Krise als Chance“ verboten. Aber wenn mich der Hafer sticht, wer weiß.... Und jetzt entschuldigen Sie mich: Ich muss los – ein paar Crash-Opfer und ich haben ein Wettkochen (das beste Menü um 12 Euro) angesetzt. Einfach nur deppert „Weißt du, er steht nicht wirklich zu mir...“ „Aber wieso? Ihr seid’s doch zusammen!” ”Ja schon, aber nicht wirklich. Vor seinen Freunden behandelt er mich wie irgendwas...“ „Voll arg. Das musst du ihm sagen. Konfliktmanagement...“ „Vielleicht braucht er einfach nur Zeit.” „Vielleicht aber ist er aber einfach nur deppert...“ So geht’s dahin und zwar in der Endlosschleife. Wohnzimmer im Invasionszustand – fünf Girlies haben sich auf den Sofas verteilt, knabbern an Dingen, die Sascha Walleczek zu harten, kleinen Schreien des Entsetzens verleiten würden; im Fernsehen flennen Alina oder irgendeine Tamara, weil sie die Beauty-Faschistin Heidi durch disziplinloses Herumgefriere beim Posing in Gletscherspalten maßlos enttäuscht haben. „Flirrt in euren hübschen Köpfchen noch irgendwas anderes herum,“ will ich wissen, „jetzt einmal abgesehen von „Warum ruft der immer nicht an?”...Den Eisbären geht’s total nicht gut wegen der blöden Polkappen, viele Menschen krachen wie die Kaisersemmeln. Und ihr gebärdet euch ständig wie MTV-Marie-Antoinettes.“ „War das die mit dem Kuchen?“ nölt eine. „Apropos Kuchen: Gibt’s was Süßes, mein Serotonin-Spiegel ist im Keller,“ will eine andere wissen. „Warum gehst du nicht einfach in dein Zimmer,“ flüstert mir der Fortpflanz zu, „liest ein kompliziertes Buch und denkst bei einem Baldrian-Mojito über den Weltfrieden nach?“ Weil ich allem voran Frieden brauche, mache ich mich vom Acker. Da ruft S an. Sie ist aufgeregt: „Weißt du, ich werde aus dem Mann nicht schlau. Irgendwie hat der die volle Commitment-Paranoia...vielleicht braucht er aber einfach nur Zeit.“ Jetzt bin ich deprimierter als die Eisbären – auch dreißig Jahre später führen wir die nahezu identen Gespräche wie diese Vorabendserien-verseuchten Teenies. Ich sage nur müde : „Vielleicht ist er aber einfach nur deppert...“ Drüber reden? „Reden, reden, reden,” sagte mein Kumpel K, „warum müsst ihr Weiber immer alles bequatschen?” „Ich habe überhaupt nichts gesagt,” antwortete ich spitz, „aber wir können dieses Lamm auch gerne schweigend miteinander verzehren.” „Und ang’rührt seid’s ihr dann auch noch wie Gloria Swanson in der Menopause!” Ich schnallte, dass ich am heutigen Abend trotz meiner bezaubernden Kochkünste K als Watschenfrau für meine Geschlechtsfraktion herhalten musste. „Offensichtlich läuft es mit der Teuersten nicht so tosend?!” versuchte ich einzurenken. „Nicht so tosend? Du scherzt! Die Alte hat ein Hobby und das lautet Grundsatzgespräche. Wenn ich vergessen habe, ihre Fummel in der Putzerei vorbeizubringen, findet sie, dass ich eine Abwertungsspirale eröffnet habe und das ein Akt der passiven Aggressivität ist. Dabei habe ich einfach nur vergessen.” „Vielleicht schläfst du einfach zu wenig mit ihr...” „Du wirst es nicht glauben: Auch darüber will sie mit mir reden. Und zwar immer dann, wenn ich in die schönste Form des Schweigens hinüber gleite.” „Den Sex?” „Nein, in den Schlaf, du Zicke!” „Du schläfst also zuwenig mit ihr.” „Das habe ich jetzt überhaupt nicht gesagt. Auch du verdrehst mir das Wort im Mund.” „Möchtest du drüber reden?” Österreich, 12 Punkte! Ich hatte ihn endlich zum Lachen gebracht. Ich erzählte ihm die Geschichte vom Dialog eines Pärchens in der U-Bahn, den ich unlängst belauscht hatte. Sie: „Nie sprichst du über deine Gefühle.” Er: „OK, ich habe das Gefühl, dass ich sehr bald Hunger kriegen werde.” Jetzt grunzte K wonnig. Ein bisschen Schmäh und eine warme Mahlzeit – Männer sind ja in Wahrheit so pflegeleicht. Ich werde ihm das John-Wayne-Credo „Talk low, talk slow and then don’t say very much” in Kreuzstichen für’s Schlafzimmer fertigen. Soviel Zeit muss sein. Zitate: „Liebe und Brutalität gehören zusammen.“ Wolf Haas, Schriftsteller „Aufhören bitte! Ich habe zur Zeit keinen einzigen Cent mehr auf meinem emotionalen Nervenkonto.“ „Die Nacht des Leguans“ von Tennessee Williams „Eigentlich wollte ich mit ihnen alt werden und nicht wegen ihnen.“ Carrie Fisher, Schriftstellerin, zieht eine Männerbilanz „Meine Ex-Frau ist gerade in Long Island, in meinem Ex-Haus mit meinem Ex-Hund.“ „Pretty Woman“ „Hab’ ich eine Tätowierung auf meinem Rücken, wo drauf steht: Macht mich fertig?“ „Heat“ „Eine Schwester macht das Weitere. Ich bin zu hübsch für Papierkram.“ „Dr. House“ „Andere Mütter haben auch schöne Fledermäuse.“ „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ „Wir sind beide sehr fett geworden.“ Anastacia, Popstar, über die Auswirkungen ihres Ehelebens „Sein Name ist Wodka und wir führen eine Wochenendbeziehung.“ „Facebook“-Gruppe „Lassen Sie die Konventionen in Ruhe. Das Elend der Sexualität steckt nicht in ihrer Unterdrückung.“ „Ein Chor irrt sich gewaltig“ von Renée Pollesch „Ich brauche jemand, der für mich da ist, mich aber nicht stört, wenn ich schreibe.“ Franz Xaver Kroetz, Schriftsteller „Ich glaube nicht, dass ein Busen Charakter haben kann.“ Heidi Klum, Model-Züchterin |
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