Goldene Momente von Affektkontroll-Verlust.
„Sollen wir noch von der Kalbspariser, Bärli?“ – „Gute Idee, Honigknopf. Aber vergiss nicht, dein Cholesterin …“ Wir standen an der Wursttheke, meine frisch geschiedene Freundin F knurrte: „Können diese Typen ihren Kosenamen-Ausfluss in der Öffentlichkeit irgendwie unter Kontrolle kriegen? Unpackbar!“ Ihre Bemerkung hatte tödliche Blicke von Kalbspariser-Bärli zur Folge, in Begleitung des Satzes: „Na, da ist ja wer sehr verbittert.“ Ich bemerkte, dass sich bei F etwas einstellte, was auf der psychiatrischen Diagnose-Liste unter Affektkontrollverlust lief. Sie pflanzte sich vor dem Mann auf, dessen himbeerfarbenes Ralph-Lauren-Polo farblich mit seinem Teint korrespondierte, (Typ Immo-Hai mit Golfpassion): „Ja, Honig-Bärli. Ich bin verdammt verbittert. Und weißt du warum? Der Kurti, dessen Kinder ich in der Teilzeitmühle für dieses beschissene Leben gepimpt hat, schickte unserer Paartherapeutin Dick-Pics, die die mit dem Satz ‚Ist das alles für mich oder kommt noch wer?‘ kommentierte. Original! Was bei mir zu einer massiven Paare-die-sich-lieb-haben-Unverträglichkeit führte. Deswegen würde ich darum bitten, diesen Infantil-Talk in die eigenen vier Wände zu verpflanzen.“ Die Wursttheken-Dame reichte F jetzt zur Beruhigung eine Scheibe Kalbspariser, offensichtlich hatte sie eine ähnliche Kränkungsbiografie. Auch Frau Honigknopf wurde von Loyalität überflutet und umarmte meine Freundin: „Viel Kraft noch! Mein Mann meint es nicht so.“ Und der schüttelte F jetzt die Hand und brummte: „Ich bin übrigens der Erich.“ – „Na also“, sagte F, „geht doch!“ Es war ein Szenario, das mir meinen Glauben an die Liebenswürdigkeit der Menschheit retournierte. Kalbspariser forever!