Kolumnen

„Chaos de luxe“: Die Jeanslinie der Psychoanalyse – 22.08.2026

Miese Launen des Schicksals.

Ich habe quasi die Jeanslinie der Psychoanalyse absolviert, sprich einmal die Woche im Sitzen. Die Couch-Situation hätte in mir das Gefühl des Ausgeliefertseins „getriggert“. Nervt Sie dieses Verb auch schon dermaßen? Diese Pflänzchen-Generation der Mini-Erwachsenen ist ja ständig getriggert, posttraumatisiert, man verletzt ihre Grenzen, betreibt irgendein Shaming und bringt ihre Life-Life-Balance durcheinander.. Egal. In jedem Fall bin ich rückblickend heilfroh, dass ich drei Jahre lang einmal in der Woche auf die Wieden gepilgert bin.
Im Supermarkt neben der Shrink-Praxis bin ich immer wieder beim Jausen-Kauf in mir flüchtig bekannte Szene-Menschen gestolpert, mit denen ich mit Lächeln angereicherte Blicke austauschte. Wir waren offensichtlich alle beim selben Seelen-Installateur. So nach dem Motto: Bevor oder nach dem Antritt der Exkursionen zu unseren Schmerzen noch schnell ein Kalbspariser-Semmerl verschlingen – zur nervlichen Beruhigung. Erst Jahre nach dem Therapieende checkte ich, dass dieser wöchentliche Tauchgang in die Kindheit und andere Dramen in mir etwas bewirkt hatte: Ich hatte aufgehört, alle Zurückweisungen, Kränkungen, beruflichen Bauchlandungen, Liebestrümmer etc. persönlich zu nehmen. Ich lernte solche Ego-Attacken in der Rubrik „Das Schicksal hat eben manchmal miese Laune“ abzulegen. Ich fühlte nicht mehr das Bedürfnis in der Schule des Lebens ständig mit dieser „Hallo, ich weiß was“-Penetranz aufzuzeigen. Mein Toleranz– und Empathiereservoir war aufgefüllt. Die Entdeckung der Nonchalance. „Du bist gut genug“, heißt der Song, den die Chefs des Fortpflanz’ produziert haben. Sie rennt drei Mal die Woche in die Psychoanalyse. Jede Menge „Mommy-Issues“ selbstredend. Was denn auch nicht?!