Kolumnen

„Chaos de luxe“: Ist dein Typ morantisch? – 05.09.2026

Fünfstern-Unglück mit Nusseis und Negronis.

Schlimmer geht’s nicht, unvorstellbar. Kannst du dir was Schlimmeres überhaupt nur vorstellen?“ K wippte wie ein hospitalisiertes Tier in einem in Finanzschieflagen geratenen Zoo und wiederholte diese Erkenntnis in Endlosschleife. Ich hatte am gleichen Tag in einer britischen Kellerpostille von einer Akrobatin gelesen, die während ihres Trapezakts im voll besetztem Zirkuszelt ein Sturzdurchfall ereilt hatte, doch medizinische Katastrophen ließ K nicht gelten. Ihr Unglück war exklusiv in der Fünfsterne-Kategorie. Vor zwei Tagen, nach vorzeitigem Abbruch eines Businesstrips, musste sie bei ihrer Heimkehr ihre beste Freundin vom Gemächt ihres zukünftigen Ex pflücken, und das alles auf ihrer neuen eisgrauen Minotti-Couch, und konnte seither diesen doppelten Verrat nur mit Kübeln von Nusseis, repetitiver Melancholie und Negronis bekämpfen. Interessanterweise konzentrierte sich ihr Hass weit intensiver auf die Ex-Beste-Freundin als auf ihren Herzi-Herren. Dieser „Gruß aus der Hölle“ habe sich schon länger an ihn herangeschlichen, nur hatte sie die Signale ignoriert. Fragen wie „Lasst ihr es noch manchmal krachen?“ oder „Ist dein Typ eigentlich morantisch drauf?“ (sie liebte solche Wortverdrehungen) hatte K einfach unter Girlie-Intimgossip abgelegt und keinerlei Argwohn geschöpft. Sie sagte jetzt tatsächlich: „Was kann er dafür, wenn diese Frufu (Abk. frustrierte Furie) sich so über ihn nachgerade stülpt, er ist doch auch nur ein Mann!“ Ich zitierte jetzt einen Satz aus einem Interview mit Heidi Kastner, einer angesehenen Psychiaterin, der da lautete: „Eine Erektion gibt keinen Weg vor.“ Das wiederum wollte K sich nicht vorstellen müssen.